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Herbstmilben - Attacken


Merkblatt zum Problem der Trombidiose des Menschen


 

Erreger: Die Verursacher der Trombidiose sind verschiedene Arten von Laufmilben (lat. Trombiculiden), von denen mehrere den Menschen befallen können.

Die deutschen Bezeichnungen wie Herbstmilbe, Herbstlaus, Erntemilbe stellen einen Bezug zu bestimmten Jahreszeiten her, Namen wie Grasmilbe, Heumilbe, Stachelbeermilbe, Pfirsichlaus, Birkenlaus etc. zum Vorkommen in bestimmter Vegetation. Die in Deutschland vermutlich häufigste Art heißt Neotrombicula autumnalis oder Herbstmilbe. Der Name täuscht jedoch, denn je nach Art oder Unterart, aber auch in Abhängigkeit vom Standort und von den Witterungsbedingungen, können Belästigungen von März bis Oktober auftreten. Lebenszyklus: Die erwachsenen Milben und die Nymphen (letztes Larvenstadium), z. B. von Neotrombicula autumnalis, leben räuberisch von anderen Kleinstlebewesen. Nur die ca. 0,3 mm großen sechsbeinigen Larven nehmen als echte Parasiten Gewebsflüssigkeit und Lymphe auf. Nach dem Saugen am natürlichen Wirt (Kleinsäuger, v. a. Mäuse, und Vögel) fallen sie ab und häuten sich im Boden nach einiger Zeit zur Nymphe. In Wohnungen können sie sich offenbar nicht weiterentwickeln.
Klinische Erscheinungen: Der Mensch wird beim Aufenthalt in Vegetationsgebieten, die von Milben besiedelt sind, bei zufälligem Kontakt befallen. Auf dem Menschen laufen die Milben dann oft größere Strecken, bis sie zum Stich ansetzen. Bevorzugte Stichstellen sind Hautareale, an denen die Kleidung eng anliegt, z. B. Knöchel und Taille. Mit ihren Mundwerkzeugen verletzen sie unbemerkt die obere Hautschicht und injizieren Speichel in die Wunde, der das epitheliale Gewebe verdaut. Das verflüssigte Gewebe wird aufgesogen. Meist bleiben die Milbenlarven nur wenige Stunden auf dem Menschen, da sie durch scheuernde Kleidung, Kratzen oder Hygienemaßnahmen entfernt werden. Sie werden deswegen oft nicht gefunden, wenn 4-36 Stunden nach dem Stich heftiger Juckreiz auftritt, der sein Maximum meist am 2.-3. Tag erreicht und länger als eine Woche andauern kann. Manche Personen erreichen einen hohen Grad an Desensibilisierung, d. h. sie erkranken nicht mehr bei Wiederbefall.
Therapie und Prophylaxe:
Zur Linderung des Juckreizes und Verhinderung von Sekundärinfektionen, die meistens für länger anhaltende Reaktionen verantwortlich sind, empfiehlt sich eine sofortige Behandlung mit 70%igem Alkohol und speziellen juckreizstillenden Mitteln, wie Soventol-Gel® u. ä.. Prophylaktisch können Repellentien (Autan®) oder Insektizide (pflanzliches Pyrethrum) auf Schuhe oder Kleidung aufgetragen werden. Vorkommen der Milben im Freien: Die Milben sind von ausreichender Boden- und Luftfeuchtigkeit sowie Lufttemperatur abhängig. Darin begründet ist vermutlich das oft inselartige Vorkommen der Milbenplage. Ein entsprechendes Mikroklima können Moos- oder Humusschichten, Mulch, Grasschnitt etc. bieten, andererseits müssen aber auch die natürlichen Wirte im selben Lebensraum vorkommen. Dies sind vor allem Waldmaus (Apodemus sylvaticus), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Feldmaus (Microtus arvalis) und Erdmaus (Microtus agrestis) sowie die Ratte (Rattus norvegicus). Bekämpfung: Aussichtsreich erscheint eine Beseitigung der Nistplätze von Nagetieren. Wichtig ist auch ein regelmäßiges Umsetzen von Komposthaufen, die Mäusenester beherbergen können und dann eine zentrale Rolle für die Verbreitung der Trombiculiden einnehmen.
Vom Einsatz von Insektiziden resp. Akariziden muß wegen der Umweltbelastung und ungenügender Wirkung dringend abgeraten werden.Pauschale Empfehlungen zur Milbenbekämpfung können nicht gegeben werden, da bisherige Bekämpfungsmaßnahmen sehr widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Für eine Problemlösung sind weitere Erkenntnisse zur Milbenbiologie erforderlich, die Gegenstand aktueller Forschung ist.



Quelle: Medizinische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
aus dem Institut für medizinische Parasitologie

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